Das hier ist für Fortgeschrittene

Ich sollte schlafen, nicht wach sein und schreiben. Die letzten beiden Tage waren anstrengend. Und für das was morgen, die nächsten Wochen, Monate und womöglich Jahre kommen könnte, dafür sollte ich wenigstens ausgeschlafen sein. Wenigstens ausgeschlafen sein, denn vorbereitet sein kannst du nicht auf sowas. Sowas erlebst du nur einmal, dass deine Mutter stirbt. Das heißt... ist es das, was gerade passiert?

 

Dabei hab ich manches von dieser Situation unheimlich ähnlich schon einmal erlebt: Das Kümmern um meine Mutter, den Rollentausch, die Auseinandersetzung mit den Ärzten, die eine unsichtbare Krankheit (Bipolare Störung), eine dazugehörige Patientin (meine Mutter) und eine wiederum dazu gehörige Tochter (hi, das bin ich!) einfach nicht ernst nehmen. Ich bin immer noch geübt darin, gegenüber diesen Ärzten trotz allem sachlich zu bleiben. Es gibt da Tricks. Du kannst bis zum Ende des Telefonats durchhalten und danach erst schreien. Zum Beispiel ins Klo. Runterspülen. Das hilft.

 

Dass ich das hier nicht in mein rosa Tagebuch mit dem herzförmigen Vorhängeschlösschen dran, sondern in einen Blog schreibe, ist auch wieder ein bisschen wie schreien. Nur hab ich das hier, so, noch nie gemacht. Aber es fühlt sich nicht nur neu, sondern auch seltsam richtig an. 

Ich glaube, ich bin nicht allein: eine späte Mutter, die jetzt, mit Mitte Vierzig, gleichzeitig ein Grundschulkind und eine pflegebedürftige Mutter hat. Als erwachsenes parentifiziertes Kind erlebe ich so einiges in letzter Zeit wie ein Déjà-Vu. Aber was ich jetzt erlebe, das ist für Fortgeschrittene: manches härter, manches subtiler, manches schöner.

 

Bleibt bei mir.