Bisschen besser oder : Ist ihr Körper jetzt anti Antidepressiva?

Bin wieder im Zug, unterwegs zu ihr. Ich habe zwei Wochen lang mein berliner Leben mit meinem Sohn, meiner Arbeit, meinem Haushalt gelebt. Die neue Woche verbringt der Kleine bei seinem Papa. Dahabeich im Büro das Nötigste abgearbeitet und mir dann Urlaubstage für diese Reise genommen. 

Seit meinem letzten Besuch hat der Hausarzt meine Mutter im Pflegeheim behandelt, aber irgendwann entschieden, dass ihr Zustand zu bedenklich und ihre Symptome zu rätselhaft seien und sie in die Klinik eingewiesen. Den Übergang hat diesmal meine Schwester begleitet. Beim letzten Klinikaufenthalt hatte der niedergelassene Psychiater fernmündlich noch ein zweites Antidepressivum auf die Medikamentenliste meiner Mutter gesetzt. Aber wir alle hatten den Eindruck, dass das ihren Organismus nur noch mehr belastet und in ihrem jetzigen Lebensabschnitt nichts für sie tut. Der Hausarzt hat jetzt das zusätzliche Antidepressivum abgesetzt. 

Unterwegs kriege ich eine Mail von einer Freundin meiner Mutter. Sie schreibt, dass es ihr heute besser ging: sie habe nicht nur gesprochen sondern sogar gescherzt, sei nicht, erschöpft vom Besuch-Haben, schon nach kurzer Zeit eingeschlafen wie sonst, sondern habe sie sogar gebeten zu bleiben. Sie freue sich auf meinen Besuch. 

Ich staune. Und denke: Moment. Geht’s ihr etwa wirklich seit dem Absetzen der Antidepressiva besser?