Selfcare oder: Arbeit oder: Handwerk

Während meine Mutter zum dritten Mal in diesem Jahr im Krankenhaus war, habe ich meinen aktuellen Job gekündigt und einen Arbeitsvertrag bei einer neuen Stelle unterschrieben.

 

Das mag aus einem bestimmten Blickwinkel verrückt sein - einen Job zu kündigen der zumindest auf dem Papier zum ersten Mal nach sowas wie einer Karriere aussieht. Aus einem anderen Blickwinkel mag es nach Opfer aussehen, wenn ich sage, dass ich den anstrengenden Agentur-Job für einen einfacheren Manufaktur-Job aufgebe - nicht zuletzt um noch Kapazitäten für die spannende neue Lebensphase meiner pflegebedürftigen Mutter zu haben.

Aber ich mache diesen Wechsel in allererster Linie für meinen Sohn, und damit für mich als seine Mama.

Mein Sohn war es, der mich sehr nachdenklich gemacht hat, als er mich vor ein paar Wochen gefragt hat, was eigentlich meine Aufgabe in meinem aktuellen Job ist? Und welcher Job in der Vergangenheit mir am meisten Spaß gemacht hat?

Während ich nach einer ehrlichen und wahren Antwort gesucht habe, sind mir ein paar wichtige Dinge aufgefallen. Erstens, dass "Spaß" für mich schon zu lange kein Kriterium mehr gewesen war, wenn ich an meine Arbeit gedacht hatte. Nach meiner Scheidung ging es mir vor allem darum, in Teilzeit zu arbeiten und trotzdem gut bezahlt zu werden. Zweitens, dass ich viele komplizierte Sätze benutzte, um einem Siebenjährigen meine jetzige Tätigkeit zu erklären (und dass ich dann trotzdem nicht sicher war, ob er mich verstanden hatte). Und dass es drittens wenige Worte brauchte, um ihm den Job zu erklären, der mir am meisten Spaß gemacht hatte. Er hatte sofort ein klares Bild vor sich. "Und warum machst Du das dann nicht wieder?", war seine umwerfend konsequente Nachfrage - auf die ich erstmal keine Antwort hatte.

 

Seitdem hat unser Gespräch in mir gearbeitet, dieses Gespräch und die bloße Vergänglichkeit und Kürze des Lebens, die mir durch die neuen Ereignisse im Leben meiner Mutter mehr den je unübersehbar vor Augen stehen ... Meine tägliche Arbeit zum Broterwerb ist einer der wenigen Lebensbereiche, die ich mir aussuchen, die ich beeinflussen kann. Also fange ich im Sommer eben ganz einfach wieder an, in einer Manufaktur Brillen zu bauen und setze dabei Skills aus meinem ursprünglich gelernten Handwerk ein, dem Goldschmiedehandwerk. Ich freu mich drauf.