21. April 2019
Am Tag zwischen Karfreitag und Ostersonntag bin ich abgereist richtung Berlin. Jetzt habe ich vierundzwanzig Stunden, kann alleine sein um die dauernden Bilder von der Kraft- und Hilflosigkeit meiner lebensmüden, lebenserschöpften Mutter abzustellen und mich auf meinen fröhlichen, süßen Sohn einzustellen. Der Abschied im Pflegeheim war traurig und tut auch hier noch weh. Ich weiß ja jetzt, dass schon der vorherige Abschied von ihr um ein Haar der letzte gewesen wäre, wenn sie sich nicht...
18. April 2019
Einmal, am Ende eines dieser vergeblichen Gespräche über andere Wohnformen, die altersgemäßer wären als ihre Messie-Tropfsteinhöhle mit den Stalaktiten und Stalagmiten aus Zeug, fragte ich meine Mutter: „Hast du also wirklich vor, diese Wohnung nur mit den Füßen voraus zu verlassen?“ Sie sagte natürlich ja. Jetzt hat sie diese Wohnung mit den Füßen voraus verlassen, nicht tot, nur getragen von Rettungs-Sanitätern, und das dreimal: das erste Mal, wurde sie zur Notaufnahme der...
16. April 2019
Letzten Sonntag kriegte ich einen Anruf aus der Zentrale des Johanniter-Rettungsdienstes. Meine Mutter werde jetzt in die Notaufnahme der nächsten Klinik gebracht, nachdem sie gestürzt sei und ihren Notruf-Knopf betätigt habe. „Aber…“, sagte die Frau von der Telefonzentrale und jetzt kommt’s: „Ihre Mutter hat die letzten zwei Wochen fast täglich den Rettungsdienst rufen müssen. Das ist nicht das erste Mal, dass die Hannis sie in die Klinik mitnehmen wollten, aber Ihre Mutter hat...
08. April 2019
Ich sollte schlafen, nicht wach sein und schreiben. Die letzten beiden Tage waren anstrengend. Und für das was morgen, die nächsten Wochen, Monate und womöglich Jahre kommen könnte, dafür sollte ich wenigstens ausgeschlafen sein. Wenigstens ausgeschlafen sein, denn vorbereitet sein kannst du nicht auf sowas. Sowas erlebst du nur einmal, dass deine Mutter stirbt. Das heißt... ist es das, was gerade passiert? Dabei hab ich manches von dieser Situation unheimlich ähnlich schon einmal...